|
|
Die Stimme
Der Schauspieler
Stefan Kaminski
(Jahrgang 1974) ist vor allem durch
sein Programm "Kaminski on air" bekannt geworden,
bei dem er, hauptsächlich unterstützt von einigen Musikern,
Themen aus Filmklassikern live in so etwas wie ein ausdrucksstarkes
Ein-Mann-Hörspiel verwandelt.
Da verwundert es nicht, dass er neben seiner Theatertätigkeit
dank einer angenehmen Erzählstimme auch
an einer langen Reihe von Hörspielen mitgewirkt und
bereits zahlreiche Hörbücher gelesen hat.
Auch in die Lesung der Pumucklgeschichten
bringt er sein breites stimmliches Repertoir ein.
So verwandelt er letztlich die Bücher von Ellis Kaut tatsächlich
fast wieder in ein Hörspiel zurück, bei dem
die sprechenden Personen stimmlich ihre ganz eigenen Charakterzüge
entfalten dürfen.
Am meisten von dieser Bandbreite bekommt man geboten, wenn Eder
sich am Stammtisch mit seinen
Handwerkerfreunden unterhält.
Dieser Eder selbst ist bei Stefan Kaminski
(mit Regisseur und Produzenten Thorsten Feuerstein)
eher ein ruhiger, zurückhaltend gutmütiger Eder; mehr
an den alten Sprecher Alfred Pongratz
angelehnt und weniger polternd als Gustl Bayrhammer.
Der bayerische Akzent wird zugunsten des Hörbuchcharakters der Aufnahmen
aber nur angedeutet.
Die interessanteste Frage dürfte für viele jedoch sein:
Wie liest Stefan Kaminski den Pumuckl?
Wie wir finden, erstaunlich gut.
"Erstaunlich" deshalb, weil es nahezu unfair ist, dass man
in diesem Punkt nicht anders kann, als einen Vergleich mit der
kongenialen Pumucklstimme von Hans Clarin zu ziehen.
Von daher sollte man besser sagen: Sehr gut!
Hört man sich die ersten Geschichten durch,
so wirkt Pumuckls Stimme am Anfang der Geschichten manchmal noch etwas
wichtelig oder piepsig.
Nach einer gewissen Einhörphase und wohl auch Einlesephase
seitens Kaminski
verschwindet dieser Eindruck jedoch weitgehend und es finden sich erfreulich
viele der ruhigen und nachdenklichen Schattierungen in der Koboldstimme,
wie wir sie auch von Hans Clarin zu hören bekommen hatten.
Auf das Krächzen und Krähen des aufgewühlten Pumuckl,
das im Film
Pumuckl und sein Zirkusabenteuer als
einzige Stimmvariante etwas überstrapaziert wurde,
muss man jedoch verzichten.
Das wäre aber dem Hörbuchcharakter möglicherweise
auch abträglich gewesen.
Etwas ungewohnt war anfangs zum einen noch Kaminskis Stimme wenn Pumuckl weint
und zum anderen, dass Pumuckl relativ viele Zwischengeräusche macht.
Das "Gepiense" beim Sichtbarwerden oder vor den Pumuckltexten,
das in der ersten Folge etwas störend auffällt, wird
später aber eingespart.
Beeindruckend ist es jedoch in jedem Fall, dass man diese Version
des Pumuckls so leicht akzeptieren kann.
Noch beeindruckender ist es, wie nahtlos Stefan Kaminski spätestens
in den Dialogen der zweiten CD zwischen der Stimme
des Kobolds und der davon völlig verschiedenen Stimme des
Schreinermeisters hin und her wechselt.
Der Stil
Die gelesenen Texte sind die genauen, ungekürzten
Geschichten aus den Büchern von Ellis Kaut
und unterscheiden sich entsprechend in Handlungsdetails
von den (Radio-) Hörspielen (siehe unsere Einzelfolgenbeschreibungen).
Nur einzelne Worte werden hin und wieder im Rahmen des
vorgelesenen Textflusses angepasst.
So ist auch Mitlesen kein Problem.
Die Lesegeschwindigkeit sollte problemlos auch für kleinere Kinder geeignet sein.
Teilweise sind Sätze oder Phrasen zwar etwas schneller gesprochen
und dafür dazwischen Pausen vorhanden;
das verhindert jedoch, dass es getragen wirkt und gibt
dem Vortrag trotz des ruhigen Durchschnittstempos einen
gewissen Drive.
Die Titelmusik von Rainer Oleak ist sehr zurückhaltend
und beschaulich und mit der Wiederholung eines netten kleinen
Themas dem klassischen Kinderbuchstoff durchaus angemessen.
Im Abspann finden sich Variationen des Themas, wohingegen
der Vorspann bei den bisherigen Geschichten stets identisch
ist.
Wem die Hörspiele mit der fetzigen
Titelmusik und der Stimme von Hans Clarin als Pumuckl
immer zu "schrill" waren (ja, man hört
von manchen Eltern tatsächlich den Begriff
"nervtötend" in diesem Zusammenhang),
dem seien die Hörbuchfassungen besonders
ans Herz gelegt.
Das Design
Die CDs kommen in schmalen Hüllen mit Kartondeckel und
Kunststoffeinsatz.
Das ist zwar deutlich weniger bruchanfällig als
reine Kunststoffhüllen aber bei Beschädigung
auch schwieriger zu ersetzen, da die Cover und Begleittexte
direkt auf die Deckel gedruckt sind.
Im Gesamtdesign sind die CD-Cover zwar modern und schwungvoll,
mit neuen Illustrationen von Barbara von Johnson
aber definitiv an die klassischen Buchcover angelehnt.
Der Pumuckl trägt dabei bislang im Mittel
in 2 von 3 Fällen die seit der Fernsehproduktion
üblichen Farben: grüne Hose und gelbes Hemd zu
seinen roten Haaren.
Damit trifft sich auch im Design in gelungener Weise
Klassisches mit Modernem, wie sich die originalen Buchtexte
mit dem populären Medium des Hörbuchs auf CD getroffen haben.
Auswahl, Technik, Preis
Bislang sind zwanzig Geschichten auf zehn CDs erschienen.
Nach den beiden ersten Geschichten aus dem ersten Buch,
die erzählen wie der Pumuckl zum Meister Eder kam
und beginnt sich beim Schreiner einzuleben, wurden verschiedene, oft
dem jeweiligen Erscheinungsdatum angemessene Geschichten
(Weihnachtsgeschichten, Oster- und April-Folge, etc.),
ausgewählt.
Auch wenn die Geschichten einer CD bisher immer auch aus einem
der Buchbände stammen, so wurde doch inzwischen auf
fast alle Bände zurückgegriffen.
Damit wurde wieder einmal
eine neue Reihenfolge der Geschichtenveröffentlichung
eingeführt.
Obwohl die meisten der modernen CD-Spieler Track-Titel
auslesen und anzeigen können, wird diese Möglichkeit
doch bei erstaunlich wenig CD-Produktionen verwendet.
Hier wurden zwar bei etlichen Folgen Track-Titel mit auf den CDs untergebracht,
jedoch nicht für alle Tracks und auf der ersten CD
auch mit erheblichen orthographischen Schwächen.
Teilweise wurden im Weiteren wohl unbesehen die teils kryptischen Filenamen
der Masteraufnahmen auf die CDs übernommen.
Und noch ein kleiner Wermutstropfen: Mit knapp 10 Euro
pro CD, also für jeweils zwei Geschichten von zusammen
gut einer Stunde Spieldauer, rangieren die Lesungen
eher in der Preisklasse von Hörspielen denn von
Hörbüchern.
Das Fazit
Für welchen eingefleischten Pumucklfan die
Hörbücher zur Vervollständigung der Sammlung nicht
sowieso ein "must-have" sind, dem würde ich
trotzdem empfehlen mal reinzuhören.
Die Chance, dass man auf den Geschmack kommt, ist recht groß.
Für Gelegenheitspumucklliebhaber, Neueinsteiger und
Fans des klassischen Pumuckl aus der guten alten Zeit sind
die Hörbücher eine gute
Alternative (oder auch Ergänzung) zu den üblichen,
derzeit auf CD erhältlichen Hörspielfassungen
mit Gustl Bayrhammer als Meister Eder.
Besonders dann, wenn man eine weniger aufgeregte Hörfassung
der Geschichten bevorzugt oder zwischendurch einlegen mag
sind die Lesungen von Stefan Kaminski sehr zu empfehlen.
Vielleicht können diese Versionen sogar den ein oder
anderen Fan der alten Alfred Pongratz Geschichten
ein klein wenig darüber hinwegtrösten, dass
diese nicht erhältlich sind, auch wenn
hier nicht bayerisch gepoltert wird.
PS: ein kleiner Tipp falls jemand die CDs im Internet bestellen möchte -
es gibt sie zum einen bei USM selbst; bei einschlägigen
Internetshops muss man ggf. nach dem Stichwort "Pumuckl + Lesung" suchen, da sie
teils nicht unter "Hörbuch" zu finden sind.
|